Kennst du das? Du liegst in der Taube, dein Becken tief, die Hüfte weit geöffnet – und plötzlich steigt etwas auf.
Ein Kloß im Hals. Tränen, scheinbar ohne Grund. Nicht körperlich blockiert – sondern innerlich bewegt.
„In den Hüften sitzen die Emotionen“, heißt es oft im Yoga.
Früher hätte ich das vielleicht belächelt – heute spüre ich: Darin steckt mehr Wahrheit, als ich je gedacht hätte.
Beckenraum: Ort der Aufrichtung – und des Loslassens
Unser Becken trägt uns durchs Leben.
Es ist wie eine Brücke – zwischen oben und unten, zwischen Festhalten und Fließen.
Und oft merken wir erst in der Bewegung, wie viel Spannung sich dort über die Jahre angesammelt hat:
durch Sitzen, durch Stress, durch unverarbeitete Gefühle.
Ich habe gelernt: Der Körper lügt nicht.
Und das Becken – so tief verwurzelt in unserer Mitte – spricht manchmal als erstes, wenn etwas gesehen werden will.
Anatomie trifft Emotion: Die Hüfte als Speicherort
Unser Iliopsoas, tief im Becken verankert, reagiert sensibel auf Stress und emotionale Belastungen.
Er wird oft als „Muskel der Seele“ bezeichnet. Wenn wir uns in hüftöffnenden Yoga-Posen wie der Taube befinden,
kann die Dehnung dieses Muskels nicht nur körperliche Verspannungen lösen, sondern auch tiefsitzende Emotionen freisetzen.
Es ist, als ob der Körper uns erlaubt, loszulassen – sowohl physisch als auch emotional.
Wissenschaft trifft Bauchgefühl
Der SPIEGEL hat kürzlich genau darüber geschrieben: Sitzen Emotionen wirklich in den Hüften?
Psychologinnen, Körpertherapeutinnen und Yogalehrende kommen zu Wort.
Die Antwort ist nicht ganz eindeutig – aber die Tendenz ist klar:
Ja, es gibt Hinweise darauf, dass unser Körper emotionale Erfahrungen speichert.
Und dass bewusste Bewegung – besonders in Hüfte und Becken – Türen öffnen kann.
Aber nicht, weil wir „funktionieren“ oder irgendetwas „auflösen“ müssen.
Sondern weil der Körper manchmal einfach weiß, wann es Zeit ist, loszulassen.
Hüftöffner als Einladung – nicht als Aufgabe
Ich schätze hüftöffnende Flows.
Nicht, weil sie immer angenehm sind – sondern weil sie ehrlich sind.
Sie fordern auf eine stille Art.
Und sie erinnern mich daran, dass ich nichts festhalten muss, was ich längst loslassen darf.
Vielleicht erinnerst du dich beim nächsten Mal in der Taube daran:
Du musst nichts forcieren. Du darfst weich werden. Du darfst spüren.
Und wenn Tränen kommen – dann kommen sie. Auch das ist Yoga.
Der Körper erinnert sich
Dein Körper ist ein Speicher.
Und manchmal reicht eine Bewegung, ein Atemzug, ein stiller Moment – und du spürst, was längst in dir wohnt.
Ich glaube nicht, dass Emotionen nur „in der Hüfte“ sitzen.
Aber ich glaube, dass der Körper immer mitfühlt.
Und dass er eine wundervolle Brücke ist – zurück zu dir.
Vielleicht magst du dich fragen:
Was trägt dein Becken jeden Tag – und was darf es heute einmal loslassen?



